Historisches

 

In Rinteln wurde bereits vor 150 Jahren Bridge gespielt

 Der Bridgeclub Rinteln feiert 2015 sein 15jähriges Bestehen. Doch bereits vor  150 Jahren wurde in Rinteln Whist gespielt, der Vorläufer des Bridge. Mit der Verfeinerung der Spielregeln, insbesondere der Einführung der Reizung und des Dummy wurde Whist zum modernen Kontrakt-Bridge weiterentwickelt.

Ein Blick in die Geschichtstruhe der Stadt Rinteln entdeckt Amüsantes zum Whist: Einen arbeitslosen Festungskommandanten und ein Whistkränzchen!

Mitte des 19. Jahrhunderts war Rinteln eine entfestigte Stadt. Die Festungsanlagen aus dem 17. Jahrhundert waren abgetragen und wurden friedlich genutzt mit Gärten, Obstbaumalleen, Promenaden und einem Park für die BürgerInnen, dem Blumenwall.

 Ohne Bastionen, Ravelins und Soldaten war ein Festungskommandant arbeitslos. Die hessische Regierung ernannte daher den letzten Festungskommandanten Oberst Weiß zum Stadtkommandanten, der Aufgeben zur Überwachung und Bekämpfung staatsfeindlicher Umtriebe übernehmen musste. Nur ein Torschreiber stand ihm zu Diensten, den er gelegentlich auch mit Uniformreinigung und Schuheputzen beschäftigte.

In seiner freien Zeit – ohne die aufgezwungenen, unliebsamen Aufgaben – hat Oberst Weiß das gesellschaftliche Leben in Rinteln genossen. Sonntags sah man ihn beim ordnungsgemäßen Kirchgang, er verkehrte in angesehenen Familien, er war Mitglied im Abendverein, im Literarischen Kränzchen und im Whistkränzchen. Hier trafen sich Honoratioren der Stadt und ein Freiherr vom Lande regelmäßig zum geselligen Kartenspiel:

 Oberst Weiß (Festungs- Stadtkommandant)

Rentmeister Keysser ( hessischer Beamter)

Leutnant Weschke (Gendarmerie)

Obergerichtsanwalt Schwabe

Kreisphysikus Selberg

Freiherr von Schellersheim (Eisbergen)

 Gespielt wurde reihum und immer wurde warmes Abendbrot mit Wein serviert. Stets bedankte sich Freiherr von Schellersheim mit einem Hoch „auf die Chefin von die Wirtschaft des Hauses“ – sein Deutsch war ein wenig gebrochen, da er in einem italienischen Internat erzogen worden war..

Wie lange das Whistkränzchen bestand ist nicht bekannt. Persönliche Lebensveränderungen der Mitglieder werden zur Auflösung geführt haben. Vielleicht dokumentiert das Photo von 1866 ein Abschiedstreffen. Oberst Weiß wurde 1866 mit der Einverleibung Hessens in den preußischen Staat pensioniert. Ein Jahr nach seiner Verabschiedung verließ er Rinteln und zog nach Kassel.

 

 Dr. Friederike Kästing

 Mai 2015

  
Whist Spielregeln:

 52 Karten werden auf 4 Personen verteilt, die paarweise gegeneinander spielen. Der gewählte Teiler bestimmt durch Aufdecken seiner letzten Karte die Spielfarbe (Trumpf oder Sans Atout). Der Spieler links vom Teiler spielt aus. Für die Karte mit dem höchsten Wert erzielt der jeweilige Spieler den Stich und darf weiter ausspielen. Hat ein Paar eine festgelegte Anzahl von Stichen erreicht, hat es das Spiel gewonnen. Mit Verfeinerung der Spielregeln, insbesondere durch Einführung der Reizung und des Dummies wurde Whist zum modernen Kontrakt-Bridge weiterentwickelt.

 

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